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Partnersuche - warum wir falsch denken und deshalb vieles falsch machen

Das WIR muss schon im Kopf vorgedacht werden


Die ausschlaggebende Erkenntnis ist …, dass ich nicht der einzige Wahrnehmende und Agierende in meiner Welt bin.

Ronald D. Laing

Unser aller Denken – auch das der kritischen Mitmenschen – ist von einem Fehler „im System“ durchsetzt. Er besteht einerseits besteht darin, das ICH überzubewerten und andererseits darin, Ursache-Wirkungsprinzipien zu heiligen. Beides zusammen bewirkt, sich entweder extrem zu überschätzen – oder auch zu unterschätzen.

Extreme - wie Sie mit einiger Sicherheit "systemkonform" versagen

Bei der Partnersuche finden wir beide Extreme. Die einen glauben, sich selbst so sicher zu sein, dass sie den Besten aller möglichen Partner für sich finden und ihn „in ihr System“ einordnen können. Sie sind also der Überzeugung, durch das starke ICH und den Einfluss, den Sie auf ihre Umgebung haben, einen großen Sieg davon zu tragen, oder „eine Eroberung zu machen“.

Die andere Fraktion sieht ihr ICH ständig als gefährdet an. Sie fürchtet, dass es verletzt werden könnte. Wer so denkt, will gefunden werden, fürchtet sich aber zugleich davor, vereinnahmt zu werden. Diese Partnersuchenden glauben, dass andere einen ausgesprochen großen Einfluss auf sie haben, sie selbst aber kaum Verantwortung für sich tragen. Sie geraten „immer wieder an den/die Falsche(n)“.

Da wir keine „Philosophie der Partnersuche“ haben, ist es ausgesprochen schwierig, das Thema überhaupt zu behandeln. Zu all dem kommt, dass die Psychologie heute eher „zurückgewandt“ ist, und weiterhin fest von Ursache-Wirkungsprinzipien ausgeht und Freud weiterhin huldigt, jedenfalls dann, wenn die Theorie betroffen ist.

Wie man erfolgloses Denken bei der Partnersuche verhindern kann

Wie lösen wir dann das Problem der Partnersuche? Wie verhindern wir, dass wir alle einer zwar völlig falschen, aber hochgradig akzeptierten Glaubensrichtung anhängen, die das ICH ins Zentrum des Erfolgs und des Versagens stellt?

Man müsste weit ausholen, um dies zu erläutern – lassen Sie es mich stark vereinfachen:

- Das WIR spielt die entscheidende Rolle innerhalb von Paarbeziehungen.
- Dieses WIR existiert als Modell, so wie das ICH als Modell existiert.
- Wer kein WIR-Modell besitzt, hat es schwerer, einen Partner zu finden.
- Der Weg vom WIR-Modell zum tatsächlichen WIR führt über gegenseitige Anpassung.


Ronald D. Laing hat in seinem Werk „Interpersonelle Wahrnehmung“ (1) ausführlich und sehr wissenschaftlich abgehandelt, worum es geht, der entscheidende Satz lautet:

Vielleicht bin ich nicht einmal in der Lage, mich selbst so zu sehen, wie andere mich sehen, aber ich nehme von ihnen beharrlich an, dass sie mich in dieser oder jener Weise sehen.


Selbstverständlich hat Laing dies nicht für die Partnersuche, sondern für alle „personellen Beziehungen“ geschrieben. Wer nun glaubt, dieser Satz gälte nur für „Meschuggene“, der sollte wissen, dass er positiv wie negativ lesbar ist.

Negativ: Ich weiß nicht, wer ich wirklich bin, das werden die anderen schon wissen. Ich habe ja keine Verantwortung für das, was andere in mir sehen.

Positiv: Ich glaube zu wissen, wer ich bin, und genau so agiere ich auch. Ich weiß um meinen Einfluss auf andere und unterstelle dabei, dass sie mich in dem gleichen Licht sehen, in dem ich sie sehe.


Trotz der Attribute „positiv“ und negativ“, die nur die Sichtweise bezeichnen, sind beide Kernsätze falsch, weil die Menschen, die dieses sagen, sich gar nicht bemühen, die Realität abzubilden, sondern sich als Zentrum des Universums sehen – ob als „Opfer“ oder als „Täter“. Doch dabei vergessen sie eines: Um überhaupt wahrgenommen zu werden, müssen sowohl die „Opfer“ wie auch die Täter“ in die Realität hinausgehen und sich dort präsentieren.

Die Realität der Partnersuche erfordert ein Umdenken im Vorfeld

Die Realität der Partnersuche aber funktioniert anderes. Sie folgt dem Gedanken „Was wäre, wenn wir …“. Öffnet dies Ihnen die Augen? Im Grunde genommen denken wir zwar per „ICH“, aber bei der Partnersuche haben wir plötzlich das WIR im Kopf, das wir sonst so erfolgreich aus unserem einseitigen Denken verdrängt haben. Partnersuche bedeutet also, den Weg zum WIR zu finden.

Wohl dem, der nicht „der einzige Wahrnehmende in seiner Welt“ ist. Denn nur er hat die Möglichkeit, sich ein Bild möglicher Realitäten im Kopf aufzubauen, also mit dem „was-wäre-wenn“ Gedanken vorauszueilen. Selbst, wenn ich mich nun der Kritik aussetze: Die im Voraus erdachte Realität in unsere Gedanken wird um so wahrscheinlicher, je freier wir die „Anderen“ in unserem Hirn agieren lassen. Diese psychologisch oder gar psychiatrisch anfechtbare These wird allerdings von jedem praktiziert, der verantwortlich mit anderen Menschen zusammenarbeitet.

Wenn Sie umdenken wollen: Berufen Sie sich gerne auf Ronald D. Laing. Und wenn sie einen Partner suchen: Entdecken Sie die Möglichkeiten, die jenseits ihres ICHS im DU und im WIR liegen. Ich kann Ihnen fast garantieren, dass diese Möglichkeit ihre Sichtweise des Lebens beeinflussen wird, wenn sie es nicht gar völlig verändert. Falls Sie einen Partner suchen, und dabei erfolgreich sein wollen, sehe ich kaum eine Alternative zu einem funktionierenden Realitäts-Modell in ihrem Kopf, das ein „WIR“ beinhaltet.

(1) Interpersonelle Wahrnehmung (Interpersonal Perception), London 1966

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