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Sind Gegensätze wirklich so anziehend?

Unterschiedliche Wünsche, gleiche Ziele?


Die Lieschen Müllers dieser Erde haben sich angewöhnt, Fragen zu stellen wie «Was ist richtig: „Gegensätze ziehen sich an“, oder „Gleich und Gleich gesellt sich gerne?“ », und wie so oft haben angebliche „Forscher“ dieses populistische Thema aufgenommen und versuchen, sie auf ihre Art zu vermarkten.

Das Internet ist voll von dieser „Alternativfrage“ – nur dass die Fragestellung an sich manipulativ ist. Denn:

Niemand weiß, was an Menschen „Gleich“ sein sollte, damit sie glückliche Ehen führen, und ebenso wenig weiß man, welche Gegensätze einander anziehen, um Parnterschaften einzugehen. Im Grund ist die Frage, ob das Eine oder das Andere richtig ist, also reiner Betrug, der an die Methoden schmieriger Hausierer erinnert.


Gegensätze ziehen sich an - falsch oder richtig?

Um es klar zu sagen: Wenn Sie einer der beiden Aussagen zustimmen, sitzen sie in der Falle – denn dann haben sie keine vernünftigen Argumente mehr, um die Wahrheit zu ergründen. Falls Sie also nicht zustimmen wollen, haben Sie diese Möglichkeiten:

1. Beide Aussagen sind richtig.
2. Beide Aussagen sind falsch.
3. Beide Aussagen müssen differenziert betrachtet werden, um herauszufinden, was an ihnen richtig ist und was falsch ist.

Ich neige sehr zur dritten Möglichkeit, denn Menschen sind weder völlig gleich noch völlig unterschiedlich, und sie haben nicht nur „Gegensätze“, sondern vor allem Eigenschaften, die gar nicht in die Gleichheits-Gegensatz-Diskussion passen.

Gleiches und Gegensätzliches zieht sich an - oder auch nicht

Philosophisch könne man argumentieren: „Gegensätze vom Gleichen ziehen einander an“ (1) oder aber auch „Gleiches im Gegensätzlichen bindet Partner aneinander. Das lässt sich einfacher sagen, hier an einem Beispiel:

Ein Mann hat das starke Bedürfnis, zu lieben, aber sein Bedürfnis, geliebt zu werden, ist nicht sonderlich stark. Nehmen wir an, er träfe auf eine Frau, die einen immensen Bedarf daran hat, geliebt zu werden, aber selbst nicht sehr liebevoll ist. Dann kommen beide miteinander aus. Wären beide gleich, so würden sie einander abstoßen.

Raus aus der Psychofalle - mit Psychologie lässt sich nicht argumentieren

Es gibt aber noch mehr Kritik. „Gleichheit“ entsteht ja zunächst auf natürliche Weise – man mus sie gar nicht herbeirufen. Insofern ist Gleichheit in der Sozialforschung leicht beweisbar. „Verschiedenheit“ hingen entsteht nicht einfach – man muss sie suchen. Andere Ethnien, andere Landsmannschaften und andere Bildungskreise? Dorthin zu gelangen, erfordert Eigeninitiative – und sie beinhaltet möglicherweise auch die Fähigkeit, sich flexibler anzupassen.

Ein weiterer Kritikpunkt der Diskussion: Die Befürworter von Gegensätzen wie auch deren Gegner machen einen entscheiden Fehler, nämlich viel zu viel Psychologie in ihre Thesen hineinzuinterpretieren. Denn sobald von „Gegensätzen ziehen einander an“ die Rede ist, werden sogenannte „Persönlichkeitseigenschaften“ ins Feld geführt –und die meisten davon haben so gut wie keine Bedeutung für eine erfolgreiche Partnerschaft. Es schient also zumindest so, als handele es sich um eine reine „Prestigediskussion“, also einen unendlichen Disput darüber, wer recht hat, ohne dass man über Argumente verfügt.

Die unsinnige Diskussion

Ein Paarberater (1) hat einmal sinngemäß zusammengefasst, warum die Diskussion so unsinnig ist:

1. Nur ein Ausschnitt der Persönlichkeitsmerkmale wird in Beziehungen eingebracht, keinesfalls alle und auch diese nicht vollinhaltlich.
2. Wenn einer eine Eigenschaft hat, die der andere braucht, kann dies für beide vorteilhaft sein.
3. Die Persönlichkeitsmerkmale treten nicht in allen Beziehungen in der gleichen Art zutage, sondern sind auch davon abhängig, welche Eigenschaften der andere hat.
4. Gleichheit reicht nicht aus, um eine Beziehung einzugehen, und schon gar nicht, um sie aufrechtzuerhalten.

Am besten Gleichheit? Denken Sie bitte noch einmal nach!

Dies alles dürfte völlig logisch sein, denn in der Partnersuche gehen wir normalerweise nicht auf die Menschen zu, die uns am meisten gleichen: auf das gleiche Geschlecht, das wir ja m besten kennen sollten. Nein, wir brausen auf das andere Geschlecht zu und holen uns dabei nicht selten emotional blutige Nasen. Die beiden Geschlechter sind zwar auch „gleich“, weil beide Menschen sind, aber sie sind, aber eben doch auch unterschiedlich, weil sie Frau und Mann sind. Wenn sie einander begegnen, wissen sie das, und genießen, dass sie unterschiedlich sind.

Emotionale Blutsauger versuchen oft, Gegensätze auszubeuten

Statt „Gegensätze ziehen sich an“ kann man oft beobachten, dass jemand „Gegensätze anzieht“. Meist sind es Menschen mit einem Riesenrucksack voller Bedürfnisse, die glauben, auf diese Weise einen Wunscherfüller zu finde, der Ordnung in ihr inzwischen ziemlich versautes Leben bringt. Oder es handelt sich um Personen, die ein eher langweiliges, einseitiges Leben führen und sich nun von einem interessanten, aktiven Menschen aus der Stumpfsinnigkeitsfalle befreien lassen wollen. Das funktioniert selten, denn irgendwann hat der Energiegeber die Nase davon voll, sich in jeder Hinsicht aussaugen zu lassen.

Gleichheit ist so gut oder schlecht wie Verschiedenheit

Die Praxis der „gewöhnlichen“ Paare sieht ganz anders aus: Manche Beziehungen halten trotz der Gegensätze, andere gehen trotz der Gleichheit auseinander. Ob eine Beziehung hält, kann nicht anhand der Kriterien „wegen“ , „trotz“ oder „unabhängig von“ bewertet werden – in Wahrheit ist alles möglich. Gegensätze lassen sich ausgleichen, positiv nutzen und in Glück oder gar Reichtum verwandeln. Zu große Gemeinsamkeiten können hingegen durchaus lähmen und eine Beziehung so langweilig werden zu lassen, dass die erstbeste außereheliche Begegnung für eine Trennung genutzt wird.

(1) Nach dem Schweizer Paarberater Jürg Willi "Die Zweierbeziehung" -. Reinbek, 1975
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