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Das Date – plaudern, bewerben oder verhandeln?

Our dreams are more romantic than the world we see

Oscar Hammerstein (Aus dem Musical “Show Boat”)

Blind Date - Katze im Sack oder Moment der Wahrheit?


Die erste Verabredung zwischen zweien, die sich vielleicht mögen könnten, ist mit vielen Gefühlen besetzt. Zum Beispiel Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen, aber auch von romantischen Gefühlen, die sich bald verwirklichen sollen.

Weniger wäre in diesem Fall mehr, denn oftmals sind die Erwartungen zu hoch, die Wünsche unerfüllbar und die Hoffnungen illusionär. Wer von vornherein an Romantik denkt, wird doppelt enttäuscht werden: Sie wir nicht geliefert, sondern muss erst entstehen.

Womit kann man ein erstes Date vergleichen? Mit gar nichts?

Oh doch. Dates nach Online-Begegnungen sind Verhandlungen darüber, wie es mit den beiden Partnern weitergehen soll, die sich zuvor nur schriftlich oder per Telefon kannten. Unbestritten ist, dass dabei Liebe, Lust und Leidenschaft eine Rolle spielen, aber sie sind nicht der erste und wichtigste Grund, zusammenzukommen. Mit einem modernen Begriff will man einfach wissen „ob die Chemie stimmt“, mit einem altmodischen Begriff, ob man einander sympathisch findet. Darüber hinaus ist das Treffen dazu da, die Zukunftspläne miteinander zu vergleichen und herausfinden, inwieweit sie miteinander harmonieren.

Verhandeln, Sex und Dates

Dates sind also Verhandlungen. Der Rechtsanwalt Gerhard I. Nierenberg verglich die Kunst des Verhandelns einmal mit der Aufnahme von Sex: Wir lernen durch „Versuch und Irrtum“. Ein Verhandlungsergebnis ist schwer vorauszusagen, wenn auch Emotionen betroffen sind – und zwischen Dating-Partnern sind immer Emotionen betroffen. Doch, wie wird eigentlich verhandelt?

Teenager-Blödsinn für den Müll

Erstaunlicherweise erleben wir bei dieser Frage zunächst ein Fiasko: Es gibt einige Hundert Dating-Ratgeber, und in vielen davon wird derselbe Quatsch abgesondert. „Offenbare dich nicht, halte dich zurück, sei geheimnisvoll, verstelle dich“ – kurz: Verstecke deine Persönlichkeit, rede nicht über deine Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche.

Klartext: Das ist US-amerikanischer Teenager-Blödsinn, geschrieben für eine Dating-Kultur, die es in Europa nicht gibt. Da hat das Mädchen süß und geheimnisvoll zu ein, damit „er wieder anruft.“

Zweiter Klartext: Erwachsene Europäer, die sich nicht jeden Tag mit irgendjemandem treffen, um irgendetwas zu unternehmen, sondern einen einzigen Termin haben, um sich „gründlich zu beschnüffeln“, müssen anders vorgehen.

Bewerbungen sind sehr ähnlich

Teils kann man Dates durchaus mit Bewerbungen vergleichen. Im Grunde haben Bewerbungsgespräche einen schlechten Ruf, weil sie als „unsymmetrisch“ gelten. Das ist aber nur der Fall, wenn auf eine Stelle gleich zwei Dutzend Bewerber bereitstehen – oder auf eine Traumfrau, was dem in etwas gleich kommt. Sind hingegen nur wenige Bewerber vorhanden, so wird fair verhandelt: Der zukünftige Mitarbeiter will wissen, ob das Unternehmen zu ihm passt, und das Unternehmen will wissen, ob der Bewerber zum Unternehmen passt.

Ähnlich ist es bei in etwa gleich attraktiven Partnern beim Dating: Jeder will vom anderen wissen, ob es sich lohnt, miteinander die Zukunft anzugehen – und wenn nicht, kann man daran kaum etwas ändern.

Doch was bedeutet dies nun?

Fehler beim Dating: Attraktivität falsch einschätzen

Zunächst der Ausschluss: Wer selbst nur wenig Attraktivität aufweist, sollte nicht nach den Sternen greifen. Attraktivität kann körperlicher, geistiger, emotionaler, sozialer oder gar nur pekuniärer Natur sein. Erst kürzlich konnte ich über ein typisches “Akademikerinnenproblem“ sprechen. Warum sollte ein Mann eine beruflich erfolglose, wenig gefestigte und darüber hinaus arrogante Akademikerin? Oder auch: Warum sollte es einem farblosen Sachbearbeiter mit geringem Einkommen möglich sein, eine „Frau wie aus dem Bilderbuch“ zu treffen?

Andere Komponenten mögen ja wichtig sein, aber wenn ich selbst nicht weiß, worin ich wirklich gut bin und wer ähnlich attraktiv ist wie ich – wie soll ich dann jemals einen halbwegs passablen Partner finden?

Bedürfnisse sind der Schlüssel

Der Schlüssel für die erfolgreiche Begegnung liegt klar darin, die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen und die eigenen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen und dabei die Aussicht zu haben, dass beides auch langfristig funktioniert. Man trifft sich also, weil Bedürfnisse bestehen, und weil diese Bedürfnisse abgedeckt werden sollen. Es ist müßig, ständig über Ansprüche, Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen zu sprechen – für das erste Date sind sie alle Müll. Aber langfristige Bedürfnisse? Das liegen wir auf der sicheren Seite. Sehen Sie, all diejenigen, die Ansprüche Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen haben, bekommen sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erfüllt. Bedürfnisse können aber erfüllt werden – von zusammen essen, über miteinander Sex haben bis hin zu den Bedürfnissen, dich sich aus der Beziehung erst entwickeln.

Wer das will, muss fähig sein, über seine Bedürfnisse angemessen zu kommunizieren – und er sollte dabei nicht vergessen: Gemeinsam zu Zielen zu kommen, bedeutet auch, sie auszuhandeln. Nichts ist wirklich selbstverständlich in einer Paarbeziehung – weder beim erstenn Date noch beim Kauf eines Mehrfamilienhauses.

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