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Wer sitzt beim ersten Date mit am Tisch?

Sich verstellen, nur weil man ein Date hat? Lieber nicht!


Aufgeklärte Menschen wissen: Je weniger Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche der Single hat, umso weniger kann er bei einem ersten Date enttäuscht werden. Doch das ist nicht alles. Bei sehr vielen Menschen sitzen noch festgefahrene Bilder mit am Tisch. Sehen wir uns doch kurz an, wer alles „mitspielt“, wenn wir ein Date haben:

1. Mein Bild von mir selbst.
Es kann zutreffen oder falsch sein – aber wie es auch ist, ich habe die Absicht, es zu vermitteln. Also sitzt mein Selbstbild mit am Tisch.
2. Das Bild meiner Partnerin von sich selbst.
So, wie ich ein Bild von mir habe, so hat meine Partnerin auch eines von sich – und genau das versucht sie mir zu vermitteln. Es kann richtig, unabsichtlich falsch oder gezielt falsch sein. Ich kann es nicht wissen.
3. Mein Bild von einem Mann, der ein Date hat.
Ich habe normalerweise ein Bild davon, wie sich ein Mann (also nicht nur ich) verhält, der versucht, die Liebe einer Frau zu gewinnen. Es stört immens, wenn ich solche ein Bild hochhalte, aber das weiß ich zu Anfang des Dates noch nicht. Schlimm wird es, wenn ich mich nicht verhalte, wie ich mich verhalten möchte, sondern nach meinem Bild eines Mannes handle, der ein Date hat.
4. Das Bild meiner Partnerin von einer Frau, die ein Date hat.
Ich muss damit rechnen, dass es meiner Partnerin genau so ergeht. Möglicherweise verhält sie sich wie sich nach ihrer Meinung eine Frau verhält, die ein Date hat. Das kann schrecklich sein, gleich, ob sie die Brust aus strategischen Gründen halb freilegt oder die Arme über ihrem Oberkörper verschränkt.
5. Mein Bild von dem Bild, das eine Frau hat, die ein Date hat.
Ich denke, dass du denkst, dass, dass ich denke … der berühmte Psychiater Ronald D. Laing hat darüber sogar einen Gedichtband (1) geschrieben. Des ist wirklich schlimm, wenn ich mich persönlich so verhalte, wie ich glaube, dass meine Partnerin es von mir erwartet und das anspreche, was sie es vermutlich gerne hören würde.
6. Ihr Bild von dem Bild, das ein Mann über ein Date hat.
Wenn sie dieses Bild hat, denkt sie etwas in mich hinein, was ich möglicherweise für sie bin – nur weil ich ein Mann bin. Ich kann aber nicht wissen, welche Erfahrungen sie mit Männern gemacht hat, und warum sie so reagiert. Verhält sie sich so, weil sei glaubt, sie müsse sich so verhalten, weil ich ein Mann bin?

Noch mehr Bilder am Tisch ...

Als wäre dies nicht schon kompliziert genug, finde wir noch zwei weitere Bilder am Tisch:

1. Mein Bild von dem Bild, das eine Frau von einem Mann hat, der mit ihr ein Date hat.
2. Ihr Bild von dem Bild, das ein Mann von einer Frau hat, der mit ihr ein Date hat.

Gefahrenherd Dating-Tipps

Sie werden nun verstehen, dass all dies schon kompliziert genug ist, wenn ich mich NICHT an Dating-Regeln halte. Kommen hingegen solche Regeln hinzu, dann greifen „fremde Instanzen“ in das Verhältnis zwischen mir und der Frau ein, mit der ich gerade versuche, eine Beziehung einzugehen. Ich muss mich dann mit anderen Instanzen auseinandersetzen, die gar nicht am Tisch sitzen.

Entknoten, erster Teil: keine Regeln für niemanden

Es gibt keine Regeln für „erste Begegnungen“ außer Respekt vor dem Anderen – und solange wir an Freiheit und Gleichheit glauben, wird es sie nie geben. Mein wirklich ernstlicher Rat: Geben Sie sich keine Regeln, und nehmen Sie keine an. Gespräche regulieren sich aus dem Gesprächsverlauf heraus von selbst.

Entknoten, zweiter Teil: Das Wort zählt

Sogenannter „Small Talk“ ist gut für Partygespräche, aber nicht für erste Begegnungen. Bei Begegnungen zählt jedes Wort, jeder Satz, jede Frage und jede Antwort. Es ist gut und richtig, am Wort zu hängen, die Art aufzunehmen, indem es gesprochen wird und die Gesten zu beobachten, von denen es begleitet wird. Versuchen Sie also immer, nur den anderen am Tisch zu sehen, und zwar so, wie er sich in diesem Moment zeigt. Wenn ihnen eine Frau ein Theater vorspielt – lächeln sie darüber. Sie braucht Zuschauer. Es ist nicht ihre Aufgabe, herausfinden, warum sie das tut.

Entknoten, dritter Teil: Keine Bilder einbringen, Bilder mitnehmen

Wer (aus der Sicht des Mannes) „sein Bild von dem Bild, das eine Frau hat, die ein Date hat“ in ein erstes Date einbringt, läuft Gefahr, genau dieses Bild zu bedienen. Doch warum sollte der Mann es tun? Mag sein, dass er so etwas braucht, wenn er Trickverführer oder Gigolo sein will. Wer eine Beziehung sucht, benötigt solche Tricks nicht. Das Geheimnis sinnvoller Begegnungen liegt darin, keine Bilder einzubringen, sondern Bilder mitzunehmen.

Hinweis: Dieser Artikel erscheint in Auszügen in mehreren Publikationen.
(1) Knots - Knoten.
Bild: © 2014 by Gebhard Roese
Kategorien: datingrat | 0 Kommentare
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